Mai 2013

Ein JA zu Europa und zu Europas Vielfalt

Furiosa e.V. beschreitet mit der europäischen Lernpartnerschaft mitten in der Krise den Weg hin zu einer fruchtbaren Zusammenarbeit

Seit August 2012 läuft die europäische Lernpartnerschaft, die Furiosa e.V. im Rahmen des europäischen Grundtvig-Programms für lebenslanges Lernen in der Erwachsenenbildung zusammen mit spanischen und türkischen Partnern beantragt hatte.

Das Thema „Die Lebenswirklichkeit von Frauen in Europa“ erschien gerade im Hinblick auf die sehr unterschiedlichen Lebensumstände in den beteiligten Ländern sehr vielversprechend. Die von den drei Partnern gemeinsam zu erstellende Broschüre, in der Interviews mit Frauen aus allen drei beteiligten Ländern einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollen, erfordert einen unbedingten Willen zur Zusammenarbeit über alle Sprachbarrieren und kulturellen Unterschiede hinweg.

Das Eröffnungstreffen fand im November 2012 in Bietigheim-Bissingen statt. In gemeinsamen Workshops wurden die Ziele der Partnerschaft festgelegt und die Arbeit verteilt. Jede Gruppe erklärte sich bereit bis zum nächsten Treffen in Spanien allgemeine Themen zur Situation der Frauen in den spezifischen Ländern zu erarbeiten sowie erste Interviews mit Frauen in den eigenen Ländern zu führen.

Die deutsche Gruppe machte im Februar 2013 eine Exkursion nach Erfurt in Thüringen, um dort Interviews mit Frauen zu führen, die einen Großteil ihres Lebens in der ehemaligen DDR verbracht hatten. Erste Ergebnisse nach der Auswertung der geführten Interviews zeigten, dass sich die Lebenswirklichkeit der Frauen in der DDR kaum von der der westdeutschen Frauen unterschied. Hier wie dort leistete die Frau die Familienarbeit, auch wenn sie berufstätig war.

Das zweite Treffen der Lernpartnerschaft fand in Ceuta (Exklave Spaniens im Norden Marokkos) im Mai 2013 statt. Schon die Reise dorthin machte den Teilnehmerinnen die Dimensionen klar, die die europäische Union ausmachen. Vom frühlingshaften Deutschland reiste die Gruppe an die Costa del Sol nach Malaga und von dort an der durch vergangene und aktuelle Immobilienboomphasen völlig zugebauten Küste entlang nach Algeciras. Der Fährhafen von Algeciras verbindet Europa mit Afrika. Hier begegnete die Reisegruppe bereits Menschen in langen Gewändern, den Djellabas, die in Marokko zum Strassenbild gehören. In Ceuta änderte sich das Strassenbild völlig. Menschen unterschiedlichster Herkunft begegnen sich auf den Strassen und verbreiten eine Atmosphäre der Vielfalt.

Ceuta ist in mehrfacher Hinsicht eine Grenzstadt. Sie trennt zwei Länder, Spanien und Marokko, und gleichzeitig zwei Kontinente, Afrika und Europa. Die Lebenswirklichkeit der Frauen in dieser Stadt wird von dieser Situation stark geprägt. Ist die Arbeitslosigkeit in Ceuta sowieso schon die höchste in ganz Spanien, betrifft sie in besonderem Maße die Frauen, die auch 70 % der Armen von Ceuta ausmachen. Afrikanische Migrantinnen sowie marokanische Grenzarbeiterinnen verschärfen die Situation zusätzlich. Sie müssen mit vielfältigen Diskriminierungen leben. Berufstätige Frauen sind sowohl mit der Doppelbelastung Beruf und Haushalt konfrontiert als auch mit fehlenden Betreuungseinrichtungen für ihre Kinder.

Die spanischen Gastgeberinnen organisierten ein Arbeitstreffen, das wegen der Gegensätzlichkeit der Eindrücke – schwierige wirtschaftliche Situation auf der einen Seite und gleichzeitig eine herzliche und fröhliche Gastfreundschaft – bei der deutschen Reisegruppe einen tiefen Eindruck hinterliess.

Die am Projekt beteiligten Gruppen stellten in mehreren Workshops ihre Arbeiten und bereits geführten Interviews vor. Eine gemeinsame Homepage (www.wowoproject.org) wurde vorgestellt und ein drittes Treffen in der Türkei für den November vereinbart.